moanamcara.de

Begleitung. Beratung. Seelsorge.

Königin Edgitha

* 910 in England + 26. Januar 946 in Magdeburg

Diese besondere Frau, die vor allem im Magdeburger Raum eine lange Zeit als Heilige verehrt wurde, ist heute kaum noch jemandem ein Begriff.
Nur wenige wissen, dass sie die erste Frau des großen ostfränkischen Königs und späteren Kaisers Otto des Großen war.
Da sie eine der Personen war, die mir bei der Recherche für ein Buch über den heiligen Ulrich begegneten, möchte ich ihr heute gerne die Aufmerksamkeit schenken, die sie in meinen Augen verdient.

Edgitha wurde um das Jahr 910 in England, als Tochter des angelsächsischen Königs Eduards des Älteren und dessen zweiter Frau Ælfflæd geboren.

Mit einer großen Zahl an Geschwistern wuchs sie sehr wahrscheinlich in der Gegend um Wessex auf. Genaueres über ihre Kindheit in England ist uns jedoch leider nicht überliefert.

Als ihr Vater im Jahr 924 starb, trat ihr Bruder Æthelstan dessen Nachfolge an.
Dieser war es auch, der die Königstochter im Jahr 929, gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Edgiva auf den Kontinent schickte, um dort Heiratsallianzen mit dem ostfränkischen Königreich sowie dem Königreich Burgund zu schließen.

Als die beiden jungen Frauen mit ihrem Gefolge im Ostfrankenreich ankamen, soll Otto, damals noch Thronfolger und Mitregent seines Vaters König Heinrich I, die freie Wahl gehabt haben, welche der beiden Königstöchter er zur Frau nehmen möchte.
Der Überlieferung nach, soll er sich bereits beim ersten Anblick in die neunzehnjährige Edgitha, die laut Roswitha von Gandersheim „von reiner und edler Stirn, anmutigem Wesen und wahrhaft königlicher Gestalt“ war, verliebt haben.
Diese Liebe auf den ersten Blick beruhte wohl auf Gegenseitigkeit und bereits kurz darauf wurde, laut dem Chronisten Widukind von Corvey eine „Königshochzeit (…) mit wundervoller Pracht“ gefeiert.

Nach dieser prunkvollen Hochzeit, verschwindet das junge Ehepaar für die kommenden Jahre aus den Quellen. Nur noch selten, wie etwa bei der Geburt der beiden Kinder Liudolf und Liutgard finden sie Erwähnung.
Erst mit dem Tod Heinrichs I rücken die beiden wieder in den Vordergrund, als Otto kurz darauf, im Jahr 936, in Aachen zum neuen König des Ostfrankenreiches gewählt und schließlich auch gekrönt wird.

Während ihrer Zeit als Ehefrau des Königs sorgte sich Edgitha besonders um die Bürger ihrer Lieblingsstadt Magdeburg, der Stadt, die ihr Gemahl ihr 919, im Zuge ihrer Vermählung als Morgengabe zum Geschenk gemacht hatte.
Doch scheint ihre Fürsorge nicht nur der Pfalzstadt selbst gegolten zu haben. Auch von großzügigen Schenkungen und ihrer Zuwendung zu den Armen und Kranken ihres Reiches wird berichtet.
So verwundert es nicht wenn die Mystikerin Roswitha von Gandersheim weiter über sie schreibt: „Dank ihres vollkommenen Wesens und Wandels war sie im eigenen Land so gepriesen, dass nach dem einmüt’gen Urteil des Volkes sie als die herrlichste galt unter sämtlichen Frauen.“

Und auch die Worte Widukinds von Corvey, der anlässlich ihres Todes schreibt: „Dieses Jahr war (…) bemerkenswert durch einen Trauerfall für das ganze Volk, nämlich den Tod der Königin Edith seligen Andenkens, derer Sterbetag am 26. Januar mit den Klagen und Tränen aller Sachsen begangen wurde.“, lassen darauf schließen, dass das Volk der jungen Königin großer Zuneigung entgegenbrachte.

Ihr plötzlicher Tod am 26. Januar des Jahres 946 ließ das Land für einen Moment erstarren. Nicht nur die Bevölkerung, auch der König, der seine Frau im Laufe seines Lebens mehrmals als „mein Heiligtum“ bezeichnet hatte, traf der Verlust sehr schwer, wie Chronist Thietmar von Merseburg beschreibt.

Nur kurze Zeit nach ihrem Ableben wird Edgitha, Königin des Ostfrankenreiches in ihrem geliebten Magdeburg, im nördlichen Schiff der neugebauten Basilika des Mauritiusklosters beigesetzt.
Ihr Witwer König Otto I ordnete der Überlieferung nach an, ihren Todestag, also den 26.1., fortan als jährlich wiederkehrenden Gedenktag zu begehen.

Die Verehrung für die junge Königin riss auch nach ihrem Tod nicht ab.
Lange Zeit wurde Edgitha von den Bewohnern Magdeburg und auch darüber hinaus, wie eine Heilige verehrt und an ihrem Grab sollen sich allerlei Wunder zugetragen haben.



Hier noch einige Legenden, die sich um diese besondere Frau ranken und ihr mildes und mitfühlendes Wesen, sowie ihre gottgefällige Art zum Ausdruck bringen:

Der geteilte Mantel1

Es heißt das König Otto, der große König des Ostfrankenreiches erzürnt gewesen sein soll über die große Mildtätigkeit seiner Frau.
Deswegen habe er ihr verboten, weiterhin kostbare Dinge aus dem Besitz des Königshauses an Bedürftige zu verteilen.
Um den Gehorsam seiner Frau zu prüfen hüllte sich der König eines Tages selbst in die Kleider eines Bettlers. So vermummt trat er, kurz vor dem Beginn der Morgenandacht die Edgitha immer zu besuchen pflegte, an die Kirchentür und wartete.
Es dauerte nicht lange und er sah die Königin, angetan in kostbare Gewänder auf das Gotteshaus zueilen. Als sie auf ihn traf, sprach er sie an und bat sie um eine milde Gabe.
Edgitha, die ermahnenden Worte des Königs noch in ihrem Kopf, wies den Mann mit mit dem Verweis, dass sie nichts bei sich trüge, was sie ihm geben könnte, sanfter Stimme ab .
Der vermeintliche Bettler jedoch wollte dies nicht gelten lassen und hielt die Königin an ihrem Mantel zurück.
„Wenn ihr mir nur ein Stück eures Mantels gebe wollt, wo wäre mir Armem schon geholfen“, drängte er die hohe Frau.
Edgitha, nun voll des Mitleides mit dem Leidenden, löste einen der Ärmel ihres Mantels ab und reichte ihn dem Bettler, der sich daraufhin mit einer tiefen Verneigung und gemurmelter Worte des Dankes zurückzog.

Als die hohe Frau etwas später an der Tafel des Königs erschien, in einen anderen Mantel gehüllt als noch kurze Zeit zuvor, fragte der scheinbar ahnungslose Otto seine Gemahlin nach dem Grund für den Kleiderwechsel. Edgitha senkte verlegen den Blick, unschlüssig was sie dem König darauf antworten sollte.
Otto, das Unbehagen seiner Frau wohl bemerkt hatte, legte währendessen den abgetrennten Ärmel auf den Tisch, den er ihr, in seiner Verkleidung als Bettler, abgenötigt hatte.
Beschämt und gedemütigt stand die Königin vor ihrem Mann, während dieser einen Boten in die Kammer seiner Frau sandte um den Mantel zu holen, den die Königin bei ihrem Zusammentreffen nur wenige Stunden zuvor getragen hatte.
Doch wie groß war das Erstaunen, als das Kleidungsstück schließlich gebracht wurde und der König erkennen musste, dass es unbeschädigt war.
Beide Ärmel befanden sich an ihm, ganz so, als wäre es immer so gewesen.
Nun war es an Otto beschämt zu sein.
Sofort trat er zu seiner Frau, nahm sie in die Arme, entschuldigte sich für seine schändliche Tat und sprach: „Dich hatte ich erproben wollen, doch nun bin ich es, der erprobt und durch den Himmel in meine Schranken gewiesen wurde.“


Der Maiblumenstrauß2

Immer wenn die Königin Edgitha am Hofe ihrer liebsten Stadt Magdeburg weilte, führte sie ihr Weg zuweilen auch hinunter zu den Wohnstätten der einfachen Bevölkerung.
Dort war sie ein gerngesehener Gast, da jeder die junge Herrscherin gut leiden mochte und ein jeder wusste, dass die Königin stets ein offenes Ohr für das Leid und die Not ihrer Untertanen hatte.

Als Edgitha sich also eines Tage wieder einmal in das Städtchen begeben hatte, fiel ihr Blick in der Menge auf ein junges Mädchen mit hellblondem Haar, das etwas in kleinen Händen hielt und schüchtern zur Königin hinübersah. Mit freundlichem Lächeln winkte sie das Kind zu sich.
Zögernd trat die Kleine auf sie zu und hielt der edlen Frau die einen kleinen Strauß herrlich duftender Maiblumen entgegen. Das Mädchen hatten ihn, im Hausgärtchen der Familie, dass sich an der heutigen Junkerstraße befand, selbst gepflückt.
Edgitha war so erfreut über dieses besondere Geschenk, dass auch sie dem Kind dafür etwas überlassen wollte. Nach kurzem Überlegen übergab sie der Kleinen schließlich einen ihrer Ringe und sprach: „Ich danke dir mein liebes Kind. Nun sieh, auch ich möchte dir etwas zum Geschenk machen. Nimm diesen Ring aus meiner Hand und wisse: Wann immer die Not bei dir Einzug halten sollte, so komm mit diesem Ring zu mir. Dann werde ich dich erkennen und kann dir zur Hilfe eilen.“

Viele Jahre gingen ins Land und die Familie des Mädchens lebte ein zufriedenes Leben. Doch dann, ganz plötzlich, wurde eines Tages der Vater, ein fleißiger Weber, schwer krank und war nicht mehr in der Lage mit seiner Hände Arbeit seine Familie zu ernähren.
Als die Not sie schließlich zu überwältigen drohte und die Gläubiger, bei denen die Familie sich Geld geliehen hatte damit drohten, sie aus ihrem Heim zu vertreiben, erinnerte sich das Mädchen, dass inzwischen zu einer jungen Frau herangewachsen war an die Königin und deren Worte.

So nahm sie den Ring und machte sich auf den Weg hinauf zum Königshof wo sie, dank ihres kostbaren Unterpfandes, sogleich Einlass erhielt bei der hohen Frau.
Edgitha erinnerte sich sofort an das Mädchen, den wunderschönen Blumenstrauß und das von ihr gegebene Versprechen.

Augenblicklich ließ die Königin die Schulden des Vaters begleichen und stellet die gnadenlosen Gläubiger unter Strafe. Die Weberfamilie aber stand von diesem Tag an unter dem persönlichen Schutz der hohen Frau und wurde von ihr mit so manchem reich beschenkt.

Edgitha und die Hirschkuh3

Eines Tages weilte die hohe Frau Edgitha in Magdeburg, während ihre Gemahl, der König sich auf Reisen befand, als sie des Nachts ein lautes Pochen am Tor des Königshofes vernahm.
Eilig sandte sie einen Dienstboten hinaus damit er nachsah, wer sich zu solch später Stunde dort draußen befinden mochte.

Als der Mann nun das Tor öffnete staunte er nicht schlecht, als er sich nicht etwa einem Menschen, sondern einer Hirschkuh gegenüber sah, die, den erstarrten Mann vorsichtig mit ihrem Kopf zur Seite schiebend, an ihm vorbei direkt ins Gemach der Königin lief.
Die hohe Frau blickte erstaunt aber keineswegs beängstigt auf das schöne Tier. Die Hirschkuh ließ sich vor Edgitha nieder und blickte mit traurigen Augen zu ihr empor, als hätte sie ihr etwas mitzuteilen.
Die Königin, die ahnte, dass dem Tier ein großes Leid widerfahren sein musste, legte tröstend eine Hand auf dessen Kopf und ließ den Jäger zu sich rufen.
Als der Mann die Gemächer der hohen Frau betreten hatte trug sie ihm auf, mit der Hirschkuh hinauszugehen und ihr zu folgen, wohin auch immer sie ihn führen würde.

So geschah es.
Sofort nachdem Edgitha ihr letztes Wort gesprochen hatte erhob sich das edle Tier und machte sich sogleich auf den Weg hinaus in den Wald, der Elbe zu. Der Jäger folgte ihr.
Als sie den Fluss an einer seichten Stelle passiert hatten, blieb die Hirschkuh stehen. Fragend blickte der Jäge sich um und entdeckte bald darauf ein Junges, welches sich unweit von ihnen entfernt, in einer Schlinge verfangen hatte und nurmehr kläglich wimmerte.
Eilig befreite er das Kälbchen, dass sogleich freudig zu seiner Mutter sprang. Nachdem sie ihr Kleines liebevoll umsorgt hatte, hob die Hirschkuh den Kopf und blickte hinüber zu dem Jäger, dem es in diesem Moment war, als wollte sie sich bei ihn bedanken. Dann gingen die Tiere ihrer Wege hinein in den dichten Wald.

  1. frei nach der Legende Kaiserin Editha aus: Ernst, Albert et al. Haus Und Vaterland I. Leipzig [u.a.]: Klinkhardt, 1911 ↩︎
  2. frei nach der Legende in : Aus Magdeburgs Sagen und Geschichten von 1894 ↩︎
  3. frei nach der Legende aus: Aus Magdeburger Sagen und Geschichten von 1894 ↩︎

Beitrag veröffentlicht

in

von

Schlagwörter: